Jaydee – Die erste Zeit bei den Seelenwächtern

Diese Bonusszene habe ich vor einiger Zeit über den Newsletter versendet. Sie beschreibt die erste Zeit von Jaydee bei den Seelenwächtern. Ich werde sie vermutlich ab und an fortführen und wünsche euch viel Spaß dabei.


 

Jaydee

»Er hat dich attackiert, Akil!«

»Weil er vollkommen verstört ist! Herrje, Will. Mach dich mal locker.«

»Er ist nicht verstört, das war purer Vorsatz!«

»Papperlapapp. Er ist noch ein Kind! Jetzt binde ihn los!«

»Auf keinen Fall.«

»Dann mach ich es.«

»Warte …!«

Ich kam nur langsam zu mir. Die Umgebung verschwamm vor meinen Augen, ich hatte Schmerzen in der Brust, nein; eher ein Drücken. Es fühlte sich an, als würde eine Eisenklammer um meinen Oberkörper liegen und mir sämtliche Luft aus den Lungen quetschen. Ich hob den Kopf und blickte an mir hinab: Da war tatsächlich eine Eisenklammer. Ich war festgebunden!

Sofort rüttelte ich an den Fesseln, versuchte, mich zu befreien, doch es war sinnlos. Das Ding saß bombenfest.

»Hey-hey, ganz ruhig«, sagte Akil und kam langsam näher.

Ich kannte ihn von gestern Nacht. Ich wollte fliehen und er hatte mich quer durchs Haus gejagt. Am Ende hatte ich ihm einen Dolch ins Herz getrieben und ihn fast getötet. Der andere Typ war auch bei ihm gewesen. Der, der jetzt – mit verschränkten Armen – neben ihm stand und mich böse anfunkelte. 

Will. Sein Name war Will. Ich hatte ihn irgendwann aufgeschnappt.

Und mit dieser Erkenntnis kam auch der Rest meiner Erinnerungen zurück: Ich war bei den Seelenwächtern in Arizona. Sie hatten mich von der noch brennenden Kirche weggezerrt und hierher gebracht. 

Ein älterer Mann war zu mir gekommen und hatte mir erklärt, was sie waren. Sein Name war Ilai. Es war mir vollkommen egal, was sie taten, oder warum ich hier war. Ich wollte nur eins: Zurück nach Riverside. 

Obwohl es da absolut nichts mehr für mich gab. 

Mikael war tot und ich hatte ihn nicht retten können. 

Er war verbrannt.

In der Kirche.

Er hat es nicht geschafft.

Sofort kehrte der Schmerz zurück; die Leere, die Taubheit, dieses elend drückende Gefühl in meinem Herzen, das mich komplett ausfüllte.

Ich hatte alles verloren, was mir je etwas bedeutet hatte. Ich hatte mein zu Hause, mein Vater, meine Kindheit verloren. Sie war aufgefressen worden in den Flammen. Vernichtet in einem Inferno.

»Hey, Kleiner.« Akil kam näher und ging neben mir in die Hocke. 

Am liebsten hätte ich ihm ins Gesicht gespuckt, weil er mich so nannte! Ich drehte mich, überlegte, es tatsächlich zu tun, doch er hob nur eine Augenbraue, als würde ihn das nicht weiter beeindrucken.

Wusste er, was ich dachte? 

Er hob eine Hand, ich starrte auf seine Finger, die genausogut giftige Stacheln sein könnten. Ich hasste Berührungen. Ich hasste Menschen. Ich hasste Körperkontakt! Ich hasste diese verdammten Seelenwächter!

»Ich werde dich nicht anfassen, okay?«, sagte Akil. »Ich will nur die Fesseln lockern.«

»Akil!«, zischte Will, doch er ging nicht darauf ein und beugte sich tiefer zu mir. Letzte Nacht war heftig gewesen. Nachdem Ilai mir alles erklärt hatte, war ich einfach getürmt. Ich war durch ein geschlossenes Fenster gesprungen, Richtung Ausgang gerannt, doch Akil hatte mich eingeholt und ich hatte mir seine Waffe geschnappt und auf sein Herz gezielt.

Da er putzmunter vor mir kniete, war die Verletzung wohl doch nicht so schwer, wie vermutet. Doch immerhin verzog er das Gesicht vor Schmerzen, wenn er sich drehte.

»Ich binde dich los und schenke dir damit einen Vertrauensbonus. So etwas wie gestern wird nicht nochmal passieren.«

Ich würde es aber jedes Mal genauso wiederholen.

»Du darfst dich hier frei bewegen, solange du dich nicht wie ein kompletter Vollidiot benimmst und dazu gehört auch auf jemanden einzustechen. Hast du verstanden?«

Ja. Ich war nicht bescheuert, dennoch hielt mich niemand gegen meinen Willen fest. Auch keine übernatürlichen Wesen, die glaubten, über mich bestimmen zu können.

»Du kannst aber schon sprechen, oder?«

Ich schnaubte als Antwort.

»Na, gut. Du musst nicht. Kann ich dir vertrauen?«

Nein. Ich zuckte mit den Schultern. Akils Finger kamen näher, ich drückte mich fester gegen den Felsen, auf den ich gebunden war. Nicht berühren. Nicht berühren. Bitte fass mich nicht an!

Seit ich sieben Jahre alt war, konnte ich keinerlei Kontakt mehr ertragen, ohne die Emotionen meines Gegenübers aufzunehmen. Angst. Liebe. Hass. Neid. Alles war elendig für mich, egal ob positiv oder negativ. Alles verbrannte meine Seele und hinterließ nur noch Asche.

»Ruhig«, sagte Akil mit sanfter Stimme und löste vorsichtig die erste Klammer.

Gleich. Gleich konnte ich hier weg. Zurück nach Hause. Zurück nach Riverside. Aber noch während ich es mir vorstellte, wusste ich, dass es kein zu Hause mehr für mich gab. Ich hatte schließlich mit angesehen, wie die Feuerwehr angerückt war und sich bemüht hatte, den Schaden zu beseitigen, wie sie die Flammen löschten und die verkohlten Überreste von ihm herausholten. 

Mikael. Mein Vater. Meine Familie.

Er war nur tot, weil ich nicht schnell genug gewesen war, weil Alfred mich in den Garten schleppte, um mich ebenfalls vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Dabei hätte ich dem ganzen widerstanden. Ich wäre geheilt, ich hätte ihn herausziehen können; ich hätte es verhindern können!

»Sieh ihn dir doch an!«, sagte Will. »Er wird bei der ersten Gelegenheit erneut versuchen, auszubüxen.«

»Er soll uns vertrauen«, sagte Akil. »Und das wirst du kaum, wenn du festgebunden bist, hab ich Recht?«, wandte er sich an mich. Seine dunklen Augen hatten eine merkwürdige Anziehungskraft auf mich. So ähnlich hatte Mikael mich angesehen, wenn er böse auf mich war, weil ich etwas angestellt hatte. Er hatte dann auch dieses absonderliche Funkeln im Blick, das mir sagte, was für ein Idiot ich war und mir gleichzeitig das Gefühl gab, stets von ihm angenommen zu werden.

Unsere Haushälterin Auguste hatte einst gesagt, dass das bedingungslose Liebe sei. Keine Ahnung, ob das stimmte. Sie redete zu viel.

Es klickte erneut an der Eisenklammer, doch Akil hielt noch den Finger auf dem Verschluss. »Wirst du dich benehmen?«

Ich nickte. 

»Ich glaub dir kein Wort, du kleiner Scheißer.« Dennoch löste er meine Fesseln vorsichtig. Um an die andere Seite zu kommen, musste er sich über mich beugen. Ich hielt ganz still, aus Furcht, er könnte mich anfassen, doch er ging so behutsam vor, dass er mich nicht einmal streifte.

Er hält sein Versprechen.

Der Geruch nach feuchter Erde und Moos stieg in meine Nase. Ich atmete ihn tief ein, es roch wie bei uns im Garten, wenn ersten Blumen sprossen und die Natur erwachte. Und es – beruhigte mich.

Kurz, bevor er die letzte Schlinge öffnete, hielt er inne und sah mich an. »Solltest du versuchen gleich abzuhauen, wird Will dich mit einer Feuerkugel umnieten. Es ist nicht tödlich, aber es ist schmerzhaft. Ich weiß, dass du dir nichts sehnlicher wünschst, als zurück nach Hause zu kehren, aber es ist gefährlich für dich. Du bist gefährlich. Diese Kraft in dir sollte gezügelt werden, wir können dir zeigen wie.«

Meine Lippe zuckte. Woher wusste er das alles?

»Es gibt in unseren Reihen ebenfalls Wesen, die empathisch sind, genau wie du. Wir können dir beibringen, damit umzugehen. Du wirst es steuern, ganz bewusst lenken, welche Emotionen in dich dringen und welche nicht. Du wirst andere anfassen können, ohne, dass es zuviel für dich wird.«

Wenn das möglich wäre … 

»Wirst du kooperieren?«

»Ja«, sagte ich leise. Das erste Wort, das ich mit ihm sprach.

»Ah, sieh mal an. Da ist ja doch eine Stimme drin. Sehr gut.«

Ich fühlte, wie er die letzte Schlinge öffnete. 

Ich war frei!

Endlich.

»Wir werden dich …«

Ohne nachzudenken, bäumte ich mich auf und verpasste ihm eine Kopfnuss. Er keuchte, zuckte zurück. Seine Emotionen waberten sofort durch mich durch, doch ich stemmte mich dagegen. Mehr oder weniger. Ich rutschte unter Akil weg, sprang auf, kam ins Straucheln. Mit aller Kraft bemühte ich mich, diese Liebe, die er in mir hinterlassen hatte, abzuschütteln, aber sie klammerte sich um meine Knöchel und erschwerte mir das Laufen.

Nicht nachdenken! Nur fliehen! 

Die Stimme des inneren Dämons in mir, der mich so oft Dinge tun ließ, die ich später bereute, war stärker als ich. Ich hörte ihn laut schallend in meinen Ohren und ich fühlte die Kraft, mit der er meinen Körper flutete. 

Ich stürmte Richtung Ausgang. Will stand mir im Weg, er formte eine Feuerkugel zwischen seinen Fingern, zielte auf mich, doch ich duckte mich, konnte ihm geradeso ausweichen und sprang hinaus in eine Art Höhle.

»Mistkerl!«, rief Akil und schon hörte ich ihre Schritte hinter mir.

Ich hatte keine Zeit, mich nach einem geeigneten Fluchtweg umzusehen, rannte einfach in die Richtung los, aus der ich die frische Luft roch. Will und Akil verfolgten mich. Es wurde warm in meinem Rücken, er wollte noch so ein Ding auf mich feuern.

Die Flammen streiften mich an der Schulter, brachten mich fast zu Fall. Ich torkelte gegen die Höhlenwand, stieß mich davon ab und nutzte den Schwung nach vorne. 

Auf einmal stand ich im Freien. Die Sonne biss grell in meinen Augen, für Sekunden konnte ich nichts sehen, so als wäre ich in ein Inferno aus Licht getreten. Die Luft war brütend warm, ich hatte keine Orientierung mehr, wusste nicht, wohin ich sollte. Meine Verfolger hingegen schon. Sie holten rasch auf, also eilte ich weiter. Rechts herum, den Weg entlang, nach links, geradeaus, keine Ahnung!

Wie komme ich von hier weg? Scheiße!

Ich blieb stehen, drehte mich um die eigene Achse und sah mich um. Ein Kiesweg zog sich quer über das Anwesen. In einiger Entfernung sah ich Gebäude, weiter hinten ein Berg, es roch nach Salbei und Pferd und Sand und …

»Jaydee.« Akil schloss zu mir auf, dicht gefolgt von Will. Ich fixierte die beiden, wich langsam vor ihnen zurück. »Du bist mitten im Nirgendwo. Du kannst nicht raus.«

Das war mir egal! Ich würde rennen, bis ich irgendwo ankam. 

»Lass uns dir doch bitte helfen.«

Panisch blickte ich mich um. Ich wollte nicht hier sein. Ich wollte nirgendwo sein! Ich war …

Auf einmal kam ein Mann auf mich zugelaufen. Er hinkte stark und dennoch strotzte sein Gang nur so vor Selbstbewusstsein. Ich konnte ihn erst nicht erkennen, weil die Sonne in seinem Rücken stand, aber nach und nach zeichneten sich seine Konturen stärker ab.

Das war dieser Ilai.

Ich hielt inne. Unwillkürlich. Da war etwas an ihm, das mich vor Ehrfurcht erstarren ließ. Keine Ahnung, woran es lag, aber an manchen Tagen hatte ich dieses Gefühl auch in der Kirche gehabt. Wenn ich an der Jesusstatue vorbeigelaufen war, oder an der heiligen Maria. Manchmal glaubte ich, dass diese Dinger echt waren, dass sie mich beobachteten und mir zuflüsterten, es würde alles gut werden.

Einen Scheiß war es.

Ilai kam näher. Nicht gehetzt, nicht in Panik. Er wirkte völlig ruhig. Der Geruch nach Feuer wurde intensiver, rief in mir wach, was ich verloren hatte. Schmerz schoss durch meine Brust.

Ich war allein.

Ich war allein.

Mikael war tot!

Mir wurde schwindelig, ich hob die Hände, wich vor ihm zurück, als wäre er Satan persönlich.

»Ruhig atmen«, sagte er mit so tiefer Stimme, dass sie in meinem Zwerchfell nachvibrierte. 

Ich kehrte auf den Haken um, wollte weg von ihm, doch Akil und Will versperrten mir den Weg. 

»Er ist völlig verstört«, sagte Akil.

Ilai kam näher. Ich hasste ihn jetzt schon, obwohl er noch gar nicht viel gemacht hatte. Ich hasste seine Ausstrahlung, die Mikaels viel zu ähnlich war, ich hasste seinen Geruch, seine Ruhe, seine Autorität. 

Hass.

Hass.

Hass.

Womöglich war das die einzig echte Emotion, zu der ich fähig war.

Ich wollte losrennen, doch als ich den ersten Schritt machte, hob Ilai die Hand und auf einmal gehorchten mir meine Glieder nicht mehr, sie waren wie festgefroren. Panisch klopfte ich auf meine Beine, wollte sie dazu zwingen, mich von hier wegzutragen.

Ilai kam neben mich. Immer noch ruhig. Immer noch ohne Eile. »Schlafe. Jetzt.« Er hob die Hand und plötzlich traf mich ein Schauer aus Müdigkeit. Ich kippte nach hinten, taumelte, wurde aufgefangen. 

»Hab dich«, sagte Akil. »Es tut mir leid, dass ich dich schon wieder anfassen muss.«

Seine Gefühle schwappten in mich hinein, ich registrierte noch die Sorge, die er um mich empfand, sie stülpte sich über mein Herz, machte es unendlich schwer und traurig. Ich keuchte, wollte mich wehren, aber ich konnte nicht mehr. 

Der Schlaf riss mich einfach mit sich.

Und ich musste mich fallen lassen.

  • ***********

Die nächsten Tage verliefen nach dem gleichen Muster: Ich versuchte, abzuhauen, ich wurde durch irgendeinen Zauber aufgehalten, und ich fand mich danach festgebunden in der Höhle wieder, bis Akil mich losmachte.

Er gab mir täglich neue Chancen, die ich stets auf die gleiche Art nutzte: Ich floh. Nein, ich versuchte es. Ich nervte mich selbst mit diesen Aktionen. Sie waren dumm und naiv, denn ich konnte tatsächlich nirgendwohin, doch genauso wenig konnte ich hierbleiben. In dieser Welt, in der mir Freundschaft und Abneigung gleichermaßen entgegenwehten.

Akil fing mich auf.

Will schimpfte.

Ilai verzieh.

Jeden Tag. Ohne Unterlass. Und genauso stur suchte ich nach Wegen, von dem Anwesen zu türmen. Ich wollte nach Hause. Ich wollte in die Freiheit, auch wenn ich sie hier vermutlich mehr hatte als je irgendwo zuvor.

Ich testete jede verfluchte Stelle der Mauer auf einen Schwachpunkt ab. Ohne Erfolg. Ich klaute sogar einen der Zossen, aber das verdammte Vieh warf mich ab und trampelte mich fast tot. Ein anderes Mal landete ich in einer Art Kammer, die vom Feuer erfüllt war, und beim zweiten Versuch versank ich in einer Sandgrube. Akil erklärte mir, dass das die Kraftplätze ihrer Elemente waren, dass sie eigentlich niemand betreten konnte, der kein Seelenwächter war und er keine Ahnung hatte, warum es mir gelang.

Ich auch nicht. Und ich wollte es nicht wissen. Ich wollte nur raus, raus, raus. 

Jeden Tag.

Egal, wie schmerzhaft es für mich wurde.

Zweierlei entdeckte ich dabei: jeden elenden Winkel des Anwesens, bis ich mich blind zurechtfand, und dass die Fähigkeiten der Seelenwächter meinen ähnlich waren. Ich war wie sie und doch irgendwie anders, und je mehr ich über ihre Welt herausfand, umso weniger verstand ich mich selbst.

Was war ich?

Wer war ich?

Jeden Tag wurde ich verwirrter, und ich stellte, mal wieder, meine gesamte Herkunft infrage. Mikael hatte nie erfahren können, wer meine Eltern waren oder warum ich bei ihm abgeben worden war. Er hatte auch nicht gewusst, warum ich so anders war als normale Kinder, und er hatte nie eine große Sache daraus gemacht. 

Er hatte mich genommen, wie ich war, und mich nie verurteilt.

Der Schmerz über seinen Verlust hielt mich täglich fest wie in einem Schraubstock. Mikael gehörten meine ersten Gedanken am Morgen und die letzten, wenn mich mal wieder ein Zauber traf und ins Nirwana schickte. Ich wollte ihn nicht vergessen, ihn mit aller Macht lebendig halten, und genauso wollte ich ihn endlich aus meinem Herzen verdrängen, damit er es nicht mehr länger beschädigen konnte.

Mikaels Tod zerstörte mich innerlich.

Ich zerstörte mich äußerlich, indem ich ständig gegen neue Barrieren rannte und versuchte, sie zu durchbrechen.

Ilai hielt mich auf: Feuer, Lähmung, Starre, Krämpfe. Er ließ sich stets etwas anderes einfallen, aber nichts bändigte diesen Drang in mir, und nichts half gegen die Schmerzen meiner Seele.

Ich hatte mich völlig verloren in dieser Welt aus Trauer, und ich ließ niemanden an mich heran.

Bis ich eines Tages nicht mehr in der Höhle erwachte, sondern in einem Bett:

Ich schlug die Augen auf und hatte im ersten Moment keine Ahnung, wo ich war. Ich drehte mich herum, mein Körper fühlte sich bleischwer an – als wäre ich meilenweit ohne Pause gerannt und dann irgendwo zusammengebrochen.

Neben dem Bett stand ein Tablett mit duftendem Kaffee, zwei Brötchen, Ei. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Ich hatte keine Ahnung, wie viele Tage seit dem Brand vergangen waren. Wann ich überhaupt zuletzt etwas gegessen, getrunken oder geschlafen hatte. Aber heute hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, nicht gleich fliehen zu müssen.

Langsam richtete ich mich auf und schüttelte die Benommenheit aus meinen Gliedern. Im Zimmer roch es intensiv nach Mandarine. Ich konnte erst nicht ausmachen, woher sie kam, doch dann bemerkte ich die junge Frau, die an der Balkontür stand und mich ansah.

Sie verbarg ihr Gesicht halb hinter der Scheibe, hielt die Tür fest, als wolle sie diese jeden Moment zuschlagen. Ihre Haare wehten sachte im Wind, genau wie ihr Kleid. Sie kratzte leicht mit den Fingern über das Holz, ihre Haut war übersät mit Narben und frischen Wunden. Hatte sie sich die selbst zugefügt?

Ihre kristallblauen Augen fixierten mich, achteten auf jede meiner Bewegungen. Langsam warf ich die Beine über die Bettkante und erwiderte ihren Blick. Ich wusste nicht, warum, aber ich wollte sie nicht erschrecken. 

Ein Lufthauch streifte mich, der Duft nach Mandarine wurde intensiver. 

Ich atmete ihn tief ein. Erstaunlicherweise löste er ein leichtes Kribbeln in mir aus. Kam das auch von ihr? Gehörte sie zu den Seelenwächtern? Wohnte sie hier? Und, wenn ja: Warum hatte ich sie bisher noch nicht gesehen? Und warum sprach sie nicht?

Ich richtete mich auf, sie spannte ihre Schultern und wich ein Stück zurück, ohne die Tür loszulassen. Ihr Verhalten spiegelte mein eigenes eins zu eins wider. Ich benahm mich ganz genauso, wenn ich jemand Fremdes traf und nicht wusste, wie ich denjenigen einschätzen sollte.

»Du musst keine Angst vor uns haben«, sagte sie. Ihre Stimme klang sanft und zerbrechlich. Ich war mir nicht sicher, ob sie sich mit diesen Worten selbst beruhigte oder mich. »Wir wollen dir helfen. Bitte, versuche nicht mehr wegzurennen.«

Ich schnaubte. Noch hatte ich kaum ein Wort mit irgendwem hier gesprochen, aber bei ihr hatte ich das erste Mal den Wunsch, mich mitzuteilen. Keine Ahnung, weshalb.

»Ich bin Anna.« Sie legte den Kopf schräg und wartete auf meine Reaktion. Ich zog die Augenbrauen zusammen, fühlte mich auf einmal unwohl in meiner Haut. Als würde sie die ganzen Krusten und Hässlichkeiten von meiner Seele schaben. 

»Jaydee.«

Ein scheues Lächeln huschte über ihre Lippen. Sie wirkte so fein und zerbrechlich wie edles Porzellan.

»Es ist schön, dich kennenzulernen«, erwiderte sie.

»Bist du auch ein Seelenwächter?«

Sie nickte.

»Welches Element?« Warum wollte ich das wissen? Was spielte es für eine Rolle?

»Luft.«

Wie um ihre Worte zu bestätigen, wehte eine weitere Böe durch ihr Haar und schenkte mir den nächsten Schwall aus Mandarine. Ich hatte noch nie jemanden getroffen, der so gut roch.

»Wie lange lebst du schon hier?«, hörte ich mich fragen. Scheiße, was interessierte mich das?

»Seit vierhundert Jahren.«

So lange. »Und die anderen?«

Sie schmunzelte. »Ilai länger, als du dir vorstellen kannst. Akil ist zweitausend Jahre alt und Will tausend.«

 Ich knurrte, als sie seinen Namen sagte. »Der kann mich nicht ausstehen.«

»Er ist nur besorgt. Du hast für einige Aufregung gesorgt, und du verwirrst ihn.«

»Ich verwirre mich selbst.«

»Das kann ich mir vorstellen. Es muss schwer für dich gewesen sein in den letzten Jahren.«

Leichter zumindest, als Mikaels Tod mitzuerleben.

Stille legte sich über uns. Nicht diese drückende, unangenehme Stille, in der jeder versuchte, verzweifelt ein Gesprächsthema zu finden. Die konnte ich aushalten. Darin war ich Meister. Ich hatte mir schon früh zur Gewohnheit gemacht, Erwachsenen mit Schweigen zu begegnen. Das brachte sie aus dem Konzept, und irgendwann plapperten sie so viel Mist daher, dass es nur noch peinlich war.

Aber das zwischen mir und Anna war anders. 

Sie wartete. 

Geduldig.

Ohne zu fordern, ohne Erwartung.

Und das wiederum machte mich nervös. Ich verlagerte mein Gewicht und warf die Beine über die Bettkante. Anna spannte sich, behielt mich fest im Blick und wirkte wie ein fluchtbereites Reh, gleichzeitig strahlte sie so viel Stärke und Kraft aus. Sicherlich könnte sie mich jederzeit windelweich prügeln.

Sie lächelte leicht und öffnete die Balkontür weiter. Eine angenehme Brise drang ins Innere. »Du bist kein Gefangener hier.«

»Das empfinde ich anders.«

»Ich weiß. Du würdest am liebsten raus aus deiner Haut, dir alles von der Seele reißen, weil es so entsetzlich schmerzt, dass du es nicht länger ertragen kannst. Die Trauer erschlägt dich, ebenso deine Fähigkeiten. Deine Empathie. Sie fordert alles von dir, und sie gibt dir nichts. Aber wenn du uns verlässt, wirst du zugrunde gehen. Du bist nicht bereit für die Menschen – und sie sind es nicht für dich.«

»Ich …« Sie sagte die Wahrheit, sie und alle anderen in diesem Haus, aber bei ihr hatte ich das erste Mal das Gefühl, anzukommen.

Ich konnte ihre Hand nehmen, ohne sie zu berühren.

»Lass uns dir beibringen, mit deinen Fähigkeiten umzugehen«, sagte sie.

»Bist du auch empathisch?«

»Nein.« Sie kratzte eine alte Kruste von ihrem Handrücken und zuckte zusammen, als es anfing zu bluten. Gedankenverloren saugte sie mit den Lippen daran. »Aber ich kenne viele Empathen. Sie haben gelernt, es zu kontrollieren.«

»Können sie andere einfach so berühren?«

Sie nickte und saugte weiter an der Wunde. 

»Könnte … könnte ich es auch?«

Wieder ein Nicken.

Ich schloss die Augen und ließ zum ersten Mal diesen Gedanken zu. Was, wenn sie recht hatte? Was, wenn ich mich in der Gesellschaft bewegen könnte, ohne ständig in Angst zu sein, die Gefühle eines anderen abzubekommen? Ich könnte Nähe ertragen; ich könnte Sex haben. Zum ersten Mal in meinem Leben.

Mit einem Brummen sah ich sie wieder an. Sie richtete sich auf und lehnte sich nach hinten. Anscheinend hatte sich meine Ausstrahlung verändert, denn sie wirkte, als würde sie sämtliche Schutzmauern hochziehen und dichtmachen.

»Denke darüber nach«, sagte sie und wandte sich zu der offenen Balkontür. Was hatte sie denn vor? Sie ging nach draußen, ich folgte ihr, behielt aber den Abstand zu ihr bei. An der Brüstung drehte sie sich noch mal zu mir um.

»Du bist zu Größerem geboren. Es war kein Zufall, dass du bei uns gelandet bist. Ich glaube, dass dies dein Zuhause werden kann, so wie es meins wurde.« Sie holte Schwung und sprang in einer eleganten Bewegung über die Balustrade. Ich eilte an die Stelle, an der sie eben noch gestanden hatte, und blickte nach unten.

Sie war nicht mehr da.

Der Wind hatte sie davongetragen.

  • ***********

»Iss«, sagte Akil und deutete auf das Tablett, das er neben mir abgestellt hatte. Wir saßen im Speisezimmer und starrten uns seit Minuten an. Nach dem Gespräch mit Anna hatte ich meine Fluchtversuche fürs Erste eingestellt, aber kooperieren konnte ich noch immer nicht.

»Ich habe keinen Hunger«, erwiderte ich.

»Das sagst du seit fünf Tagen.«

»Und seit fünf Tagen bin ich satt.« Was nicht stimmte, mein Magen fühlte sich an wie ein verdorrtes Stück Fleisch, aber ich wollte nichts von Akil annehmen. Nicht einmal Nahrung. Ich wollte gar nichts von diesen Menschen, oder eher: Wesen. Sie sollten mich in Frieden lassen.

»Wenn wir mit deinem Training anfangen wollen, musst du bei Kräften sein. Glaub mir«, sagte er und schob das Tablett näher. 

Ich schupste es weg. Er stellte es mir wieder vor die Nase, ich wollt es erneut von mir schieben, da schlug er so hart mit der Faust auf den Tisch, dass die Flasche Wasser umkippte.

»Jetzt reicht es!« Seine Stimme ließ mich zusammenzucken. Das war das erste Mal, dass er laut wurde, und es war verflucht erschreckend.

»Ich weiß, du bist ein Teenager, und allein das ist Entschuldigung genug für dein Verhalten. Seit drei Wochen igelst du dich ein und lässt nichts und niemanden an dich ran. Glaubst du etwa, du bist der einzige, der je einen geliebten Menschen verloren hat? Mikael wird nicht wieder lebendig, wenn du dich komplett einschließt und alle Hilfe abblockst, die dir angeboten wird.«

Mein Auge zuckte. Mikael war oft ausgeflippt, aber nie wirklich laut geworden. Es hatte nicht in seiner Natur gelegen, auch wenn ich es mir manchmal gewünscht hätte.

Akil atmete tief durch und fuhr sich mit einem frustrierten Brummen durch die Haare. Ich wusste nicht, ob er selbst von seinem Ausbruch überrascht war oder die Schnauze tatsächlich gestrichen voll hatte. Er lehnte sich im Stuhl zurück, seine Züge entspannten sich, seine Stimme klang milder, als er fortfuhr: »Sei froh, dass du es aus den Flammen herausgeschafft hast und noch lebst.«

Ich grunzte nur als Antwort. Was wusste er oder irgendjemand anders hier, über was ich froh sein sollte!

»Jaydee.«

Ich blickte demonstrativ weg. Ein dicker Kloß bildete sich in meiner Kehle, hinderte mich am Atmen, am Denken, am Fühlen. Warum war es so warm hier drinnen? Warum nahm mir Akil mit seiner Anwesenheit so viel Platz? So viel Sauerstoff?

»Ich weiß, wie verdammt weh es tut, wenn man jemanden verliert, der einem nahegestanden hat. Das darfst du mir glauben. Dein Innerstes steht kurz vorm Platzen. Du spürst nur noch Schmerz, glaubst, dass du keinen Tag mehr atmen kannst, wenn du nicht sofort diese Person wieder in die Arme schließen wirst, aber das wird nicht passieren. Mikael ist tot, dein Leben geht weiter. Du kannst trauern, aber bitte tue es auch und verbarrikadiere dich nicht in diesem Ding aus Trotz und Ignoranz. Lass die Energie aus deinem Körper, egal wie.«

Akil schob den Teller wieder zu mir. »Essen gehört zum Leben. Du tust niemandem einen Gefallen, wenn du dich kaputt hungerst.«

Ich hob eine Augenbraue, drehte den Kopf so weit, dass ich ihn aus dem Augenwinkel beobachten konnte.

»Das ist keine Bitte«, sagte er strenger. »Ich kann dich dazu zwingen.«

»Kannst du nicht.«

»Bübchen, glaube es mir einfach.«

»Ich hätte dich fast umgebracht.«

»Ja, und das war ein Glücksgriff, der nie wieder vorkommen wird, da kannst du sicher sein.«

Ich hörte die Überzeugung in seiner Stimme. Mir war schon aufgefallen, dass er von allen hier am nettesten war, dass er die Dinge lockerer nahm, aber ich strapazierte seine Geduld ins Unermessliche. Und zum ersten Mal, seit ich hier war, war ich mir nicht sicher, ob das eine gute Idee war.

Ich drehte mich komplett zu ihm und sah in seine braunen Augen. Er hielt meinem Blick locker stand. Nicht ein Zweifel stand darin, nicht ein Funken aus Angst oder Unsicherheit, dass er nicht mit mir fertig werden würde.

Ich blickte auf den Teller, und mein Magen gab einen erbärmlichen Laut von sich. Das Essen ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen, meine Finger krampften um die Gabel, ohne dass ich es wollte. 

»Der Weg ist schon mal richtig«, sagte Akil.

Zögernd nahm ich das Besteck und spießte ein Stück Fleisch auf. Akil verschränkte die Arme vor der Brust und sah mir aufmerksam zu, wie ich es mir in den Mund schob, schluckte, ohne groß zu kauen und mir sofort Nachschub hineinschaufelte.

Mit jedem Bissen bekam ich mehr Appetit und lud mir sogar noch zwei Portionen plus einen Schokomuffin nach. 

»Geht doch«, sagte Akil und kratzte sich am Bart. »Dir wird vermutlich gleich kotzübel werden, aber immerhin besitzt du gute Heilkräfte. Morgen früh, Punkt sechs, starten wir. Treffpunkt in der Trainingshalle. Und frag nicht, wo sie ist, denn ich weiß genau, dass du es weißt. So oft wie du hier herumgeirrt bist, kennst du dich besser aus als ich.«

Ja. Das tat ich. Und ja, ich wusste, wo sie war.

»Wir testen erst deine Ausdauer, dann bekommst du ein Grundlagentraining in Selbstverteidigung.«

Selbstverteidigung. Auf einmal blieb mir der Schokomuffin doch noch im Halse stecken. »Das heißt, du willst mich … du musst mich …«

»Ich werde dich so wenig anfassen wie nur möglich, versprochen. Wir trainieren erst mal mit Dummys. Für Kraft und Ausdauer kannst du Gewichte verwenden. Am Abend wird Ilai dich unterrichten, wie du deine Empathie in den Griff bekommst.«

Da würde ich definitiv mitmachen, aber das mit der Selbstverteidigung mussten wir noch mal besprechen. Ich hatte keinen Bock auf Körperkontakt, egal wie wenig. »Ich kann mich verteidigen, ich muss es nicht lernen.«

»Nein, du kannst wild draufhauen. Wenn du je mit uns auf Dämonenjagd gehen willst, wirst du dich kontrollieren müssen.«

»Ich soll was?« 

»Glaubst du, du wirst hier leben, ohne dich einzubringen? Es ist unser Job, diese Biester zu töten, und es wird bald deiner sein. Außerdem wird es dir gefallen. Vertrau mir. Du bist der Typ, der an so was Freude hat.«

Ich dachte darüber nach. Stellte mir vor, wie ich mit ihnen unterwegs war. Mit Akil. Will. Ilai. Und womöglich auch … »Wird mir Anna ebenfalls helfen?«

Akil zog eine Augenbraue hoch. »Vergiss es, Kumpel.«

»Was?«

»Die ist nichts für dich.«

Ich knurrte leise. Sein Tonfall gefiel mir nicht. 

»Guck mich nicht so an, als wolltest du mir die Eier abreißen. Herrgott noch mal: Anna ist tabu.«

Sollte sie das nicht selbst entscheiden? Zugegeben: Sie war um einiges älter als ich, innerlich zumindest. Rein äußerlich schätzte ich sie eher auf Anfang zwanzig. Aber spielte das wirklich eine Rolle? Sie war nett zu mir gewesen. 

»Jaydee.« Akil beugte sich nach vorne. »Ich weiß, was in deinem Körper vorgeht. Du bist sechszehn, du bist voll mit Testosteron, das nicht raus kann. Ich nehme an, du hast auch noch nie eine Frau geküsst, oder?«

Doch. Hatte ich. Versucht zumindest. Es ging nicht gut, und Mikael und Tobias mussten mich gewaltsam von ihr wegzerren, weil ich nicht mehr aufhören konnte. 

Da ich ihm nicht antwortete, hob er nur eine Augenbraue. »Wenn du kooperierst, wirst du binnen kürzester Zeit deine Empathie kontrollieren. Du wirst Beziehungen mit anderen führen, du wirst Sex haben können.«

»Ich …«, wollte nicht mit ihm über dieses Thema sprechen. »Ich werde nicht mit euch kämpfen, es interessiert mich einen Dreck, was ihr tut oder wen ihr jagt. Aber ich werde trainieren. Ich will die Empathie kontrollieren, und danach werde ich euch verlassen und mein eigenes Leben leben.«

Akil seufzte und nickte. »Klar doch. Deine Entscheidung.«

Warum hörte es sich dann so an, als wäre das keine Option für mich? Sie hatten mir versprochen, dass ich kein Gefangener war. Galt das etwa nicht mehr?

»Versuche, dich vor morgen auszuruhen. Der Tag wird hart, das kann ich dir jetzt schon versprechen. Und hör auf, Anna anzuhimmeln. Glaub mir, Kumpel: An der beißt du dir die Zähne aus.«

Ich sprang vom Stuhl auf, so schnell, dass er nach hinten umkippte. »Ich himmle sie nicht an.«

»Mh, klar. Und der Weihnachtsmann ist dein Patenonkel.«

Ich griff nach dem Messer, das auf dem Tisch lag. Akil beobachtete es gelassen. »Schon wieder?«

Ich schloss die Finger fester darum. Ich wusste, dass ich überreagierte, dass ich wegen der geringsten Kleinigkeit ausflippte, aber ich konnte nicht anders.

»Nur zu«, sagte Akil und wartete ab. »Greif mich an. Vielleicht ganz gut, wenn du aktiver wirst, aber Anna wirst du dennoch nicht haben. Nicht einmal, wenn du sie anfassen könntest.«

Ich umschloss das Messer fester. Durch die erste Attacke wusste ich, dass er mir körperlich überlegen war, aber ich war schneller. Ich atmete ein, hielt die Luft an und spannte die Muskeln. Akil sprang vom Stuhl, als ich angriff. Er wich zur Seite aus, ich streifte ihn an der Schulter, was ihn aber nicht weiter störte. Er drehte herum, packte meinen Arm und bog ihn mir so weit auf den Rücken, dass es krachte. Ich schrie vor Schmerz und wegen seiner Emotionen. Sie rauschten ungehindert durch mich durch, verbrannten meine Seele, mein Herz. Akil pinnte mich quer auf den Tisch und beschwerte mich mit seinem Gewicht. »So viel dann dazu.«

»Lass mich …« Seine Gefühle schwappten in mich. Eine Prise Zorn, viel Liebe, Freundschaft, Ruhe. Ich konnte sie auf meiner Zunge schmecken, spürte, wie stark diese Emotionen in ihm arbeiteten – und hielt es dennoch nicht aus. Er hätte mir genauso gut mit einem scharfen Messer die Haut abziehen können.

Akil rückte sofort von mir ab und brachte mehr Abstand zwischen uns. 

»Nur so viel wie nötig, versprochen. Wenn du dich benimmst, werde ich dich vermutlich gar nicht anfassen müssen, bis du dich im Griff hast.«

Ich stöhnte, schloss die Augen und kämpfte gegen die Übelkeit. 

Zu viel. Es war einfach alles viel zu viel.

Fähigkeiten

Gepostet am

Juli 25, 2018