Zusatzszene – Jess und Jaydee in New York – bitte erst NACH Band 9 lesen

Die Badszene aus Jaydees Sicht 🙂 Viel Spaß damit.

 

Jaydee

 

„Wow“, sagte Jess und betrat das Penthouse.

Ich sah ihr kurz nach, wie sie alles in sich aufsog und vor Staunen den Mund nicht mehr zubekam.

„Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, Sir?“, fragte der Concierge, der noch immer neben mir stand.

Ich nickte und drückte ihm einen Hundert-Dollar-Schein in die Hand. Es war ein komisches Gefühl für mich, mit Geld umzugehen. Seit ich nicht mehr bei Mikael lebte, benötigte ich es äußerst selten, und wenn doch, war ich meist mit Akil unterwegs.

Während Jess sich also umsah, regelte ich alles Weitere mit dem Concierge und bestellte ihr etwas zu essen. Zu meiner Verwunderung hatte er bereits eine Tasche mit frischen Klamotten für uns gepackt. Unglaublich, was man alles mit Geld erreichen konnte.

Bis ich endlich ins Zimmer kam, war Jess schon fast im Bad.

Mir war immer noch schummrig von der Attacke des Dämons im Theater, obwohl ich bereits eine Flasche Heilsirup gekippt hatte. Oder es lag an ihrer Nähe, die sich mit jeder verstreichenden Minute stärker in mein Bewusstsein grub. Am liebsten würde ich sie hier oben einsperren und jedem den Zugang zu ihr verwehren, damit sie in Sicherheit war. Wie Rapunzel in ihrem Turm.

Ich schloss zu ihr auf. Eins der Bilder an der Wand zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Es war ein verschnörkeltes Symbol. Wie ein Tattoo. Während ich es betrachtete, kam schon wieder dieses Kribbeln über mich. Ein Gefühl des Erkennens, eine Erinnerung, die irgendwo in mir vergraben war und versuchte, sich nach oben zu arbeiten. Wie oft in meinem Leben hatte ich es verflucht, dass ich mir stets alles merken konnte. Heute würde ich sonst etwas drum geben, wenn ich endlich draufkäme, was mein Unbewusstes mir sagen wollte.

Ich schüttelte den Kopf und blieb vor Jess stehen. Sie sah mich an. Ihr Blick war aufgepeitscht, müde, erschöpft. Das heute war viel für sie gewesen. Das Zusammentreffen mit ihrem Freund, die Sache im Theater, die Geschichte über ihre Mutter, der Zauber, der uns voneinander trennte. Wir mussten alles noch aufdröseln und den Sinn dahinter entdecken, aber hier und jetzt mussten wir nur eins: zur Ruhe kommen.

„Hier sind frische Sachen für dich zum Anziehen.“

„So schnell?“

„Ja, mit der entsprechenden Bezahlung geht es ganz fix. Er bringt auch gleich etwas zu essen.“ Ich gab ihr die Tasche, ohne den Henkel loszulassen. Wir konnten uns nicht berühren, aber mit sehr viel Fantasie konnte ich so eine Art Verbindung zu ihr herstellen. Albern, ich weiß.

„Wenn wir deine Mum finden, finden wir auch die Lösung für uns.“

Sie zuckte kurz bei meinen Worten. Ihr Herzschlag legte einen Takt zu. „Ich weiß nicht, Jaydee.“

„Und du musst dir heute Abend auch keine Gedanken mehr darüber machen.“ Ich ging einen Schritt auf sie zu. Sofort umschlang mich ihr Duft, als wolle er mich an sie ziehen. Wenn ich könnte, würde ich ihr einfach für einige Stunden ihre Sorgen nehmen. Genau, wie ich es bei Anna machte. Nur sie und ich. Wobei ich mir ziemlich sicher war, dass es mit Jess und mir nicht so keusch bleiben würde …

„Geh ins Bad. Ich bringe dir etwas zum Desinfizieren.“ Eine Ladung am Jod schnuppern war jetzt genau das Richtige, um diesen Geruch aus meiner Nase zu tilgen.

Jess bog ins Bad ab.

Ich lauschte kurz ihren Schritten und begab mich dann auf die Suche nach dem Erste-Hilfe-Koffer.

Auf einmal schrie sie lauthals.

Ich stieß einen leisen Fluch aus, drehte um und war schneller in der Tür, als ich einmal Luft holen konnte. „Was ist?“

Sie fuhr herum. Ihr Gesicht schmerzverzerrt, eine Hand auf ihrer Rippe. „Nichts weiter. Ich wollte Wasser in die Wanne lassen, aber ich komme nicht an den Hahn.“

Oh, Mann. Das konnte ja noch heiter werden, wenn es bereits daran scheiterte.

„Es ist nicht so schlimm“, sagte sie, aber ich war bereits neben ihr und beugte mich über die Wanne, um das Wasser aufzudrehen.

„Wie warm?“

„Heiß und bitte auch Badezusatz. Irgendetwas, das gut riecht.“

Süß, ihr Befehlston. „Jawohl, Ma’am.“

Sie sah mich an und lächelte auf einmal, als wäre ich ein Welpe, der im Schaufenster die Pfoten gegen die Scheiben drückte.

Warum glotzte sie so verklärt?

„Das wird auf deinen Wunden brennen wie Feuer, das ist dir schon klar?“

„Egal. Hauptsache, der Dreck ist ab.“

Ich lief zum Badeschrank und durchstöberte die Flaschen und Tiegel. „Wie wäre es mit Lavendel?“

„Klingt gut. Danke.“

Ich gab das Zeug ins Wasser. Mal sehen, ob es sich so gut anfühlen würde, wenn sie in der Wanne lag, aber sie war alt genug, das selbst zu entscheiden. „Ich bring auch gleich die Schmerztabletten.“

„Danke.“

„Keine Ursache.“ Als ich fertig war, richtete ich mich auf und blickte sie wieder an. Verflucht, sie sah mich noch immer so dämlich an. „Ist noch was? Du glotzt mich gerade an, als würde mir ein Horn aus der Stirn wachsen.“ Vielleicht hatte die Attacke mit dem Dämon Nebenwirkungen. Ich tastete an die Stelle. Nur um sicherzugehen.

„Nein. Ich … es ist alles gut. Mehr oder weniger. Das ist nur so viel auf einmal.“

„Ja. Ich weiß.“ Und ich hätte ihr gerne einiges davon erspart. Vielleicht hätte ich alleine mit Ashriel sprechen sollen. Dann hätte ich erst vorfühlen können, was sie weiß, und Jess die Informationen gefilterter weitergegeben. Aber womöglich wäre ich gar nicht mehr hier, wenn sie nicht dabei gewesen wäre. Sie hatte mich immerhin vor Ashriel oder diesem Dämonending gerettet.

Und wurde dabei selbst verletzt.

Ich scannte ihren Körper ab. Geschunden. Zerkratzt. Blitzeblau. Es schmerzte mich, sie so zu sehen, und es machte mich wütend. Dem Jäger passte es nicht, dass jemand anderes als ich Jess verletzt hatte. Als stünde mir das Sonderrecht zu, ihr ganz alleine wehzutun. Bescheuert. Echt. Vielleicht sollte ich mich nach einem guten Psychiater umsehen.

„Geh erst mal baden. Ich halte dir das Essen warm.“

Und ich musste hier raus. Erstens wurde es immer schwüler, und zweitens wollte ich sie nicht länger so sehen. So verletzlich, schwach und so verflucht hilflos.

Ich lief zur Tür, hörte Stoff rascheln und ein weiteres schmerzhaftes Keuchen. Sofort war ich wieder bei ihr. Sie schwankte leicht, ich streckte eine Hand aus, machte mich bereit, sie aufzufangen, wobei mir klar war, dass das keine gute Idee war. „Jess?“

„Ich …“

Großartig! Sie konnte sich vor Schmerzen nicht mal ausziehen und sagte mir ständig, dass alles okay wäre! „Soll ich dir helfen?“ Whoa. Stopp. Jaydee. Tritt auf die Bremse! Hatte ich ihr das gerade ernsthaft vorgeschlagen?

Sie lief knallrot an.

Ja, dann hatte ich es wohl. Ich war also nicht nur übertrieben besitzergreifend, ich hatte auch masochistische Züge. Es wäre Folter, ihr die Klamotten abzustreifen!

Sie knautschte ihr Shirt zusammen. Blickte zur Wanne.

Sag bitte Nein! Sag bitte Nein! Bitte, sag Nein!

„Das wäre gut.“

Verdammt. Ich sog die Luft durch die Zähne. Mit dem Ausatmen legte ich ein neutrales Gesicht auf. Sie musste ja nicht gleich sehen, was in mir vorging. „Kannst du die Arme nach vorn strecken?“

„Sicher, dass du das aushältst?“

Nein! „Ja. Jetzt mach.“

Zaghaft hob sie die Arme und blickte mich unter leicht gesenkten Lidern an. Könnte sie das bitte sein lassen? Der Rehblick half keineswegs!

„Gut. Halt still, okay?“

Sie nickte. Es grummelte in meinem Magen. Eine weitere Chance für den Jäger. Berühr sie! Berühr sie! Fütter mich mit ihren Emotionen!

Meine Finger zitterten. Rasch griff ich an den Saum, damit sie es nicht bemerkte. Herrje, man könnte meinen, ich hätte noch nie eine Frau entblättert. Aber das hier war so anders als alles, was ich bisher erlebt hatte. Ganz vorsichtig rollte ich das Shirt nach oben. Mir wurde heiß. Ein Schweißtropfen perlte meinen Nacken hinab. Ich hätte das Wasser nicht so heiß stellen sollen. Die Luft hier drinnen war unerträglich.

Jess‘ Shirt war bereits in Höhe ihres Bauchnabels, als mir der Strand einfiel: Wind. Nasser dünner Stoff. Kein BH!

Ich stockte. Wenn sie darunter nackt war, würden mir die Sicherungen durchknallen. Ganz sicher.

„Trägst du etwas darunter?“ Klang ich merkwürdig? Ich klang merkwürdig. Allein bei dem Gedanken, dass sie nichts anhatte, spannte meine Hose.

Jess sah zu Boden. „Ja. Geronimos Schwägerin hatte mir frische Unterwäsche gegeben.“

Gut. Und nicht gut. Ich brummte und schob das Shirt Stück für Stück über ihren Brustkorb. Mit jedem weiteren Zentimeter kniff meine Jeans unangenehmer. Ich verlagerte das Gewicht. Legte die Stelle frei, an der sie auf die Rippen getroffen wurde. Der Anblick dämmte meine Stimmung gehörig. Sie war blitzeblau geschwollen.

„Du hast einen ordentlichen Bluterguss an der Seite.“ Leider war der, der das getan hatte, schon hinüber. Sonst hätte ich ihn spätestens jetzt zu Hackfleisch verarbeitet.

„So fühlt es sich auch an.“

Ich trat ein Stück näher. Was eine sehr bescheuerte Idee war, denn jetzt heizte mir noch zusätzlich ihre Körperwärme ein. Und verdammt, warum roch sie so betörend? Nach all den Kämpfen und dem Blut vernahm ich immer noch ihren ganz eigenen sinnlichen Duft, der mit jeder verstreichenden Sekunde herber wurde. Ich griff um sie herum, widerstand dem Drang, sie an mich zu reißen und festzuhalten. Dabei wäre es so einfach. Die Hände auf ihren Rücken, leichten Druck, und sie wäre in meiner Umarmung. Auf einmal schwankte sie nach vorne, als hätte sie genau den gleichen Gedanken.

„Halt still“, flüsterte ich.

Sie biss sich auf die Lippen. Fixierte mein Shirt. So lange ihre Augen nicht tiefer wanderten … oh Mann. Akil hätte gerade seine helle Freude an mir.

Ich zog das Shirt über ihren Kopf und ließ es an ihren Armen hinunter, bis ich endlich ihre Handgelenke befreit hatte.

Ja, sie trug einen BH. Schwarz. Seide. Sehr schön.

Sie blickte zu mir, ich warf das Shirt auf den Boden und fühlte die nächste Schweißperle. Dieses Mal auf meiner Schläfe. Diese verfluchte Hitze machte mich vollkommen benommen. Meine Kehle war staubiger als unsere Wüste daheim. Ich fühlte mich ausgedorrt, vertrocknet und irgendwie verloren.

„Was ist mit deiner Hose?“ Und warum zum Henker redete ich schon wieder so einen Müll?

„Was soll mit der sein?“

„Bekommst du das alleine hin?“

Sie zuckte. „Ich weiß nicht.“

Tja, das kam davon, wenn man dumme Sachen fragte. Jetzt zieh es auch durch. Ich griff an ihre Gürtelschnalle und öffnete sie. Ruppiger als nötig, aber dieses Geräusch, wie das Leder auf Stoff schabte … mh … Ich sah ihr dabei fest in die Augen, versuchte, jede kleine Regung aufzunehmen, auch wenn ich mich damit schon wieder auf die Straße der Selbstgeißelung begab. Aber es war einfach der Wahnsinn zu sehen, wie sich langsam ihre Pupillen weiteten, zu riechen, wie ihr Duft mit jeder verstreichenden Sekunde sinnlicher wurde. Das hier turnte sie mindestens genauso an wie mich. Nicht auszudenken, wenn ich sie anfassen könnte.

„Das … das machst du ziemlich gut“, sagte sie.

Hast du eine Ahnung … Ich öffnete den Reißverschluss. „Übung.“

Sie zuckte bei meinen Worten. Egal. Ich musste in dieser Situation die Oberhand behalten. Meine Finger tasteten nach ihrem Hosenknopf und gleichzeitig wurde mir noch heißer.

Es hatte schon viele Momente in meinem Leben gegeben, in denen ich meine Willensstärke beweisen musste. Der hier war mit Abstand der härteste. Vorsichtig öffnete ich den Knopf, hielt meine Finger gerade so zurück auf Wanderschaft zu gehen und tiefer in ihre Hose zu gleiten …

Auf Jess‘ Haut bildete sich ein feiner Schweißfilm. Ihr Geruch veränderte sich erneut. Ich konnte nur mit Mühe ein leises Keuchen unterdrücken. Sie hielt die Luft an, ihr Herzschlag beschleunigte sich. Ging ich gerade zu weit? Aber sie hatte mich doch darum gebeten, ihr zu helfen. Sollte ich es wagen, ihr die Hose auszuziehen? Oder brauchte sie doch mehr Zeit?

War vielleicht besser so. Für sie und für mich. Also machte ich mit ihren Schuhen weiter.

Ich kniete mich vor sie, erinnerte mich sofort wieder daran, wie es vor ein paar Tagen gewesen war, als wir in ihrem Zimmer aufeinandergetroffen waren.

Sie offenbar auch: „An den Anblick könnte ich mich gewöhnen.“

„Ja?“ Ich blickte zu ihr hoch und grinste. Mir würde der Anblick noch viel besser gefallen, wenn sie gar nichts tragen würde. „Umgekehrt wäre es mir lieber.“

Wieder schnappte sie nach Luft, während ich ihren ersten Schuh öffnete. Es machte Spaß, sie aus der Fassung zu bringen. Vor allen Dingen würde es mich interessieren, ob sie immer so schnell reagierte, so leicht in Wallung zu bringen war.

Ihre Beine zitterten. Diese Situation war ungewohnt für sie. Was wir hier taten, war ein gefährlicher Drahtseilakt ohne Sicherungsnetz. Wenn ich sie jetzt anfasste, ihre Emotionen abbekam und womöglich noch spürte, wie sehr sie mich wollte … Ich glaubte nicht, dass ich mich zurückhalten könnte.

„Heb das Bein“, sagte ich mit leicht kratziger Stimme. Die Hitze war kaum noch auszuhalten, mein Shirt klebte mir mittlerweile am Rücken, aber es war ja bald geschafft.

Mit einer fließenden Bewegung zog ich ihr den ersten Schuh aus. Ihre Zehen rollten sich zusammen, als wäre sie in zu kaltes Wasser gestiegen.

„Das andere.“

Meine Finger fanden wie von selbst den Weg.

„Die Socken schaffe ich allein“, sagte sie auf einmal.

Gott sei Dank! „Gut.“

Ich sammelte die Stiefel ein und nahm ihren Dolch aus der Halterung. Die Berührung mit dem Metall beruhigte meine Sinne etwas, zwang meine Instinkte zurück in ihre Bahnen. Rasch richtete ich mich auf und drehte das Wasser ab. Jess Blick folgte mir wie ein Hund einem Stück Fleisch. Scannte sie mich gerade ab? Wartete sie, ob ich noch etwas sagen würde?

„Danke für deine Hilfe“, sagte sie.

„Bitte.“

Sie biss auf ihre Unterlippe. Schien auf irgendeine Reaktion von mir zu warten.

Was denn noch? „Kommst du klar?“

„Ja. Natürlich.“

Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn, richtete meine Hose und steuerte den Ausgang an.

„Viel Spaß in der Wanne.“ Ich wäre nebenan. In der Dusche. Druck abbauen.

„Danke.“

Kurz vor der Tür blieb ich stehen. Da war schon wieder eins dieser Bilder mit den Schriftzeichen. Verflixt noch eins, dieses Gefühl des Wiedererkennens machte mich wahnsinnig.

Schriftzeichen. Tattoos. Meine Finger streiften über Jess‘ Dolch, und auf einmal prasselte die Erinnerung auf mich nieder wie ein Platzregen.

„Alles okay?“, fragte Jess.

„Ja.“ Die Bilder rasten an mir vorbei. Ich war wieder beim Kämpfen mit Keira. Saß bereits auf dem Pferd, wollte weg, da riss sie mich herunter und mir fiel etwas aus der Tasche. Etwas, das vorher auf ihrem Tisch gestanden hatte. Etwas, das mir so wichtig war, dass selbst der Jäger in seiner Rage es unbedingt mitnehmen wollte. Die Tätowierpistole mit der Tinte! „Verfluchter Mist.“

„Was ist denn?“

„Jetzt weiß ich es wieder!“

„Und was?“

„Ich muss noch mal weg.“

„Wo willst du denn hin?“

„Es dauert nicht lange. Versprochen!“

„Aber …“

Und schon war ich zur Tür draußen. Mit jedem weiteren Meter, den ich mich von Jess entfernte, wurde mein Verstand wieder klarer.

Tattoos.

Magische Tinte.

Zeichen, die Berührungen absorbierten.

Sollte das funktionieren, würde ich Keira einen Dankesbrief schreiben.

Fähigkeiten

Gepostet am

März 21, 2017