Zusatzszene Training – Bitte erst nach Band 5 lesen

Jess und Jaydee haben mit dem Training begonnen (nachzulesen in Band 5 „Die Prophezeiung“). Sie haben drei Tage miteinander, bevor es in die nächsten Abenteuer geht. Was unter anderem in diesen drei Tagen passierte, könnt ihr hier nachlesen.

Die Szenen schließen an den zweiten Tag von Jess‘ Training an (Kapitel 8, Band 5). Kurz nachdem Akil ihr die Geschichte über seine Vergangenheit aufgetischt hat. Hier zur Einführung die letzten Sätze aus diesem Kapitel:

 

Jessamine

„Komm schon, wir sehen mal nach, ob die Luft wieder rein ist und wir mit dem richtigen Spaß anfangen können.“ Akil hüpfte vom Felsen und lief zurück zum Trainingsraum. Ich folgte ihm und hoffte, dass ich die nächsten Stunden überstehen würde.

Wir liefen schweigend zurück zu dem Trainingsraum, in dem wir Jaydee zurückgelassen hatten. Leider fand ich nirgendwo eine Uhr und hatte keine Ahnung, wie spät es war, aber die Sonne stand bereits höher und erleuchtete die Halle in einem satten Licht. Zum Glück filterte das Glasdach die Hitze aus, sonst könnte man es hier drinnen vermutlich nicht aushalten. Gegart wie in einem Gewächshaus.

Während wir liefen, dachte ich noch mal über Akils Geschichte nach. Es tat mir leid, wie er behandelt worden war, auch wenn es das nicht musste. Immerhin war das knapp zweitausend Jahre her.

Endlich erreichten wir den Trainingsraum. Mit jedem weiteren Schritt wuchs auf einmal wieder meine Nervosität. Jaydee verunsicherte mich nach wie vor. Mir war einfach nie klar, in welchem Gemütszustand ich ihn erwischen würde.

„Bitte, nach dir“, sagte ich leise und blieb hinter Akil zurück.

„Er wird dich schon nicht fressen.“

„Sagst du!“ Ich war mir da nicht so sicher.

Akil schmunzelte, öffnete die Tür und trat ein. Jaydee stand am anderen Ende des Raumes, mit dem Rücken zu uns. Er war nun nicht mehr halbnackt, sondern hatte sich ein Shirt zu seinen Trainingshosen angezogen. Mit einem leichten Ziehen im Magen stellte ich fest, dass ich es bedauerte.

„Und, Schatz? Alles klar bei dir oder brauchst du noch eine Weile für dich?“, fragte Akil.

Jaydee blickte auf und sah in den Spiegel vor sich. Sofort fanden seine Augen meine und bohrten sich bis auf die Rückseite meiner Schädeldecke. Ich blickte zu Boden und blieb dicht bei Akil.

„Lektion für heute: Nahkampf“, sagte Jaydee, ohne auf Akils Frage einzugehen. „Geh auf die Matte, Blümchen. Akil, du stellst dich ihr gegenüber.“

„Jawohl, Chef. Es ist mir eine Ehre. Natürlich werde ich sofort springen, wenn du mir befiehlst. Lass mich dein persischer Sklave sein und dir jeden Wunsch erfüllen.“

Jaydee rollte die Augen. „Gut, dann vernehme hiermit meinen ersten Wunsch: Halt die Klappe und erledige deine Arbeit.“

Akil grinste, verneigte sich vor Jaydee und stellte sich brav mir gegenüber.

Jaydee umkreiste uns beide und musterte mich dabei. Ich fühlte seine Augen auf mir, wie sie über meinen Körper wanderten, von meinem Kopf über mein Genick in meinen Rücken. Mir stellten sich die Nackenhaare, als er hinter mir war. Nur mit Mühe konnte ich den Drang bekämpfen, mich umzudrehen. Ich fokussierte mich auf Akil, der mir gegenüberstand und über meine Schulter sah. Sollte Jaydee etwas Dummes planen, würde er ihn doch aufhalten, oder?

Als ich glaubte, die Spannung kaum noch halten zu können, lief Jaydee weiter und setzte seinen Rundgang fort. Er trat auf der linken Seite in mein Gesichtsfeld und blieb in etwa zwei Metern Abstand zu uns stehen.

„Akil …“ Jaydee deutete mit dem Kinn auf mich. Ich verstand die Anweisung nicht, Akil offenkundig schon. Er trat auf mich zu und stieß mich gegen die Schulter. Ich stolperte einige Schritte rückwärts.

„Was soll das denn?“, fragte ich.

„Du fängst dich instinktiv mit dem rechten Bein zuerst ab“, sagte Jaydee. „Das ist deine stärkere Seite. Stell die Füße hüftbreit auseinander, das rechte ein Stück nach vorne. Arme hoch. So.“ Jaydee zeigte mir die Armhaltung und ich ahmte sie nach. „Jetzt wehr Akil ab!“

„Und wie?“

„Nicht denken, nicht reden. Einfach machen.“

Einfach machen. Na dann mal los.

Zwei Stunden später war von einfach nichts mehr übrig geblieben.

Ich stöhnte auf, als ich zum x-ten Mal bäuchlings die Matte küsste und der Aufprall sämtliche Luft aus meinen Lungen presste. Akil hatte mich mal wieder herumgewirbelt, als ich ihn angreifen wollte. Jetzt saß er auf mir, drückte ein Knie in meinen Rücken und beugte sich zu mir herunter. „Du bist schon wieder tot.“

„Ich wünschte, es wäre so …“ Verflucht, dass ich so außer Form war, hätte ich nicht gedacht. Jeder Muskel in meinem Körper schmerzte, mein Blut rauschte in meinen Ohren, mir war schwindelig und ich hatte mir auf die Zunge gebissen.

„Halte deine Deckung aufrecht, Jess“, sagte Akil und stieg von mir ab. „Du lässt dich viel zu leicht von den Füßen holen. Du bleibst nicht in deiner Körpermitte. Deshalb sitzt du auch so wackelig auf dem Pferd.“

„Außerdem ziehst du deine Schläge nicht durch“, sagte Jaydee, der mit verschränkten Armen neben der Matte stand. „Du hast noch viel zu viele Hemmungen, auf einen Menschen loszugehen. Das ist mir schon aufgefallen, als wir beide gekämpft … als ich dich …“

Ja, sprich es ruhig aus: Als du mich durchs Haus gejagt und fast totgeprügelt hast.

Er räusperte sich. „Egal. Nach dem Essen machen wir weiter.“ Jaydee deutete zur Tür. „Jetzt geh.“

„Funktioniert das auch freundlicher?“, brummelte ich in die Matte.

Akil streckte seine Hand nach mir aus und half mir nach oben.

„Natürlich funktioniert das auch freundlicher“, sagte Jaydee. „Brauchst du noch etwas Gebäck und Kaffee zur Trainingsstunde?“

„Nein. Ich meine ja nur.“

„Dann hör auf zu meinen. Das hier ist keine Schmusestunde. Raus mit dir.“

Mann, Mann, Mann, musste der seine schlechte Laune an mir auslassen?

Nach dem Essen bekam ich meine Antwort. Ja, er musste. Jaydee hatte eindeutig seine Berufung verfehlt. Als Folterknecht hätte er es wirklich zu viel Ruhm und Ehre geschafft. Nach weiteren drei Stunden Training saß ich zusammengesunken auf einer Bank und starrte ins Leere. Akil trat vor mich. Ich schaffte es geradeso, den Kopf zu heben und ihn anzublicken.

„Ich soll Dehnübungen mit dir machen“, sagte er.

Ich legte den Kopf zur Seite und musterte ihn. „Jaydee hat mir gestern welche gezeigt. Ich kann das alleine.“

„Er meinte, es wäre besser, wenn du dabei geführt wirst.“

„Und das ist jetzt keiner deiner üblichen Scherze?“ Zutrauen würde ich es ihm glatt.

Er verschränkte die Arme vor der Brust, was nur dazu führte, dass sich sein Bizeps noch stärker nach oben wölbte. „Kein Scherz, Liebes, und es gibt genügend Frauen da draußen, die liebend gerne mit mir Dehnübungen machen würden.“

„Schön, dann mach das mit denen.“

„Mach ich. Später. Nackt. Jetzt bist erst du dran.“

„Aber hoffentlich nicht nackt.“

„Wenn du darauf bestehst.“ Er zuckte die Schultern und zog schneller sein Shirt aus, als ich Stopp sagen konnte.

Ich starrte ihn mit offenem Mund an. „Du bist unglaublich, weißt du das?“

„Ja. Außerdem tue ich alles, was dir das Leben erleichtert – und jetzt ab auf die Matte.“

„Äh, ziehst du dich bitte vorher wieder an?“

Nun wurde sein Grinsen noch breiter. „Vielleicht lenkt es dich ab, wenn du dabei meine nackte Brust bewundern kannst.“

„Das glaube ich eher nicht.“

Er kam einen Schritt auf mich zu. Ich zog die Schultern ein, als könnte ich so in der Bank verschwinden. Natürlich hatte ich schon mal einen halbnackten Mann gesehen, doch Akil war kein gewöhnlicher Kerl. Er war selbstbewusst – viel zu sehr für meinen Geschmack –, und bedauerlicherweise hatte er allen Grund dazu. Er kam noch näher, schnappte mich an der Hüfte und warf mich über seine Schulter.

„Akil!“, schrie ich und schlug ihm ins Kreuz. Er trug mich unbeirrt auf die Matte, und in der nächsten Sekunde fand ich mich auf dem Rücken liegend auf dem Boden und er war über mir. Er stützte rechts und links seine Arme neben meinem Kopf ab und zwinkerte mir zu. Obwohl wir uns nicht berührten, spürte ich die angenehme Wärme seines Körpers über mir.

„Bereit?“

„Nein!“

„Gut.“ Er zog sich zurück, kniete sich an meine Füße und legte sich ein Bein über die Schulter. Mit den Fingern strich er meine Wade auf und ab. „Mh …“

„Hör auf damit!“ Ich wollte mein Bein zurückziehen, aber er hielt es fest und stemmte es in die Höhe.

„Stell dich nicht so an. Es geht los.“

Ich versuchte noch einmal, mein Bein freizubekommen. Ohne Erfolg. Schließlich seufzte ich. „Na gut, aber wehe, du machst weiter deine Scherze!“

„Was dann? Verprügelst du mich so wie in den letzten paar Stunden? Dann habe ich wirklich Angst.“ Er beugte sich weiter über mich. Unwillkürlich glitt ich in die Dehnung. „Richtig Angst sogar. Mir schlottern die Knie. Hoffentlich klappe ich nicht auf dir zusammen vor lauter Schiss.“

„Du bist so ein elender …“ Blödmann. Wollte ich sagen. Doch ich brachte kein Wort mehr heraus, als er sich tiefer über mich lehnte und die Dehnung verstärkte. Der Schmerz schoss meinen hinteren Oberschenkelmuskel hoch.

„Atmen, Jess.“

Ich schlug ihn auf den Oberarm, er lachte nur und drückte bei meinem nächsten Ausatmen ein Stück tiefer.

„Oh Gott, das überlebe ich nicht.“

„Doch, wenn du atmest. Gib dir ein wenig Mühe.“ Er beugte sich noch weiter über mich, was meinen Oberschenkel um ein Weiteres strapazierte.

„Ich bring dich um!“, brüllte ich.

„Tust du nicht, also krieg dich wieder ein. Atmest du auch schön?“

„Klar, siehst du das nicht?“

„Nein. Vielleicht brauchst du mehr Motivation?“ Er glitt mit der Hand nach oben, an meinen Fuß und drückte auch noch meine Zehenspitzen nach unten. Jetzt schoss der Schmerz zusätzlich durch meine Wade.

„Aua! Bist du des Wahnsinns?“

„Atmen! Ein und aus, immer schön gegen den Schmerz.“

Ich wimmerte. Klar, kein Problem! Ich lachte darüber, sobald ich wieder dazu fähig war. So machte er weiter. Ohne Gnade. Und er behielt recht. Mit jedem Ausatmen konnte er mich ein Stück weiter dehnen, je weniger ich dagegen ankämpfte, umso leichter wurde es.

Auf diese Weise streckte er meine Beine, meinen Rücken, meinen Oberkörper. Am Ende war ich völlig durchgeschwitzt und fühlte mich, als hätte er mich einmal von links auf rechts gestülpt.

Endlich ließ Akil von mir ab und stand auf. „Wir sind fertig, das hast du gut gemacht.“

„Naja.“ Ich stemmte mich zum Sitzen hoch. Mein Körper fühlte sich erstaunlicherweise nicht so schlecht an, wie ich vermutet hatte, das musste ich zugeben. Dennoch war ich froh, wenn ich endlich in meine Wanne konnte.

Akil musterte mich von oben bis unten.

Ich fuhr mir durch die Haare und über die Nase. „Stimmt was nicht?“ Hatte ich vielleicht irgendwo einen Popel hängen?

„Ich liebe es einfach, wenn Frauen so fertig aussehen, nachdem ich sie in der Mangel hatte. Hat etwas Postkoitales.“

„Postkoital?“

„Sag bloß, du weißt nicht, was das ist.“

„Kann nur etwas Schmutziges sein, wenn es aus deinem Mund kommt..“

„Oh, Baby. Was ich dir alles beibringen könnte. Komm, ich helf dir auf.“ Er streckte mir seine Hand entgegen und zog mich in die Höhe. Dabei bog er meine Arme auf den Rücken, damit sich mein Brustkorb ihm entgegenwölbte. Sein Blick glitt sofort auf meinen Ausschnitt. „Lies Shades of Grey, dann weißt du, was postkoital heißt.“

„Warum wundert es mich nicht, dass du diese Art von Literatur kennst?“

„Tja, ich bin ein Mann mit vielen …“

In dem Moment ging die Tür auf und Jaydee kam zurück. Akil ließ mich sofort los, Jaydee erstarrte und sah uns an. Für einige Sekunden standen wir alle drei nur da und hielten die Luft an. Ich wusste nicht genau warum, denn Akil und ich hatten ja nichts Verbotenes getan.

„Will ich wissen, warum du kein Shirt trägst?“, fragte Jaydee schließlich.

„Ich wollte unser Mauerblümchen hier nur ein wenig lockermachen. Stört es dich etwa?“

Jaydee blähte die Nasenflügel. Die beiden sahen sich einige Sekunden in die Augen, als hätten sie diese Art von Konversation schon mal geführt.

„Mach, was du willst“, sagte Jaydee schließlich und wand sich wieder mir zu. Dabei war seine Miene so steif und finster, dass ich glaubte, er wolle mich gleich fressen. Klar, ich war ja nur die Nervensäge, die er so dringend brauchte, wie ein zweites Loch im Bauch.

„Morgen früh um sechs Uhr geht es weiter. Nicht früher und nicht später. Sei einfach nur pünktlich. Bekommst du das hin?“

„Natürlich“, brummelte ich und wollte gerade meine Sachen schnappen.

„Warte. Eine Sache noch …“ Er presste die Kiefer aufeinander und tauschte einen kurzen Blick mit Akil aus. „Streck deine Hand aus.“

Ich zögerte, was hat er denn jetzt vor?

Bitte.“

Aha, der Herr kann freundlich sein. Ich streckte meine Hand hin. Jaydee schaute sie an und pustete die Luft aus. Akil legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Wir haben noch eine Sache zu erledigen.“

Richtig. Unsere Berührung. Er hatte es angekündigt und wir hatten es gestern bereits versucht. Da hatte er es knapp eine Minute geschafft mich anzufassen, bevor er mir an die Gurgel wollte.

„Bist du sicher?“, fragte ich.

„Das steht hier nicht zur Debatte.“

„Also schön.“ Ich hielt ihm meine Hand hin und wartete.

Wieder starrte er sie an, als wäre sie ein unnatürliches Gebilde, das ihn jederzeit anspringen und ihm das Herz ausreißen konnte. Vielleicht war es ja auch so. Vielleicht war es genau das, was er bei den Berührungen mit mir empfand.

Ganz zart legte er einen Finger auf meinen Handrücken. Er keuchte leise und schloss die Augen. Eine angenehme Wärme breitete sich in mir aus und es kribbelte an der Stelle, an der er mich anfasste. Ich hätte ewig hinhalten können, mich einfach in seine Berührung fallen lassen können, doch mir war klar, dass das nicht möglich war.

Jaydee stöhnte gepresst, die Adern auf seiner Stirn traten hervor, er hatte sichtlich Mühe, sich zu beherrschen.

Akil verstärkte den Druck auf seine Schultern. Plötzlich riss Jaydee die Augen auf und fixierte mich mit diesem stechenden Silber, das stärker war als ein Stromschlag.

Ich wich automatisch einen Schritt nach hinten, dem er zu folgen drohte, aber Akil verstärkte den Griff auf seiner Schulter. „Ruhig, Bruder.“

„Verflucht noch eins … Ich … ich kann das …“ Er ließ mich los und stürzte zur Tür hinaus.

„Jaydee“, rief ich ihm hinterher, aber er war schon weg.

Akil sah ihm nach. „Er wird es lernen, gib ihm Zeit.“

„Glaubst du das wirklich? Es scheint die Hölle für ihn zu sein.“

Akil zuckte die Schultern. „Er wird keine andere Wahl haben. Wir probieren es morgen wieder, und jetzt ab unter die Dusche mit dir. Dein Tag war lang.“

„In die Wanne. Ich bevorzuge ein heißes Bad.“ Ich schnappte mir mein Handtuch vom Boden und warf es über meine Schulter. Akil lief voran und hielt mir die Tür auf.

„Oh, danke, sehr nett.“

„Natürlich. Ich bin immer nett. Mein Angebot, dir den Rücken zu schrubben, steht auch noch.“

„Äh, nein. Danke.“

„Du hast echt keine Ahnung, was du verpasst.“

Akil schloss die Tür zum Trainingsraum und begleitete mich nach draußen. Mittlerweile war es dunkel in der Halle und Millionen von Sternen funkelten über unseren Köpfen.

Ich hatte einen weiteren Tag in der Folterkammer überstanden.

Fähigkeiten

Gepostet am

April 30, 2016